Zähneputzen! Zwei- bis dreimal täglich. Idealerweise nach jedem Essen. Das ist heute gesellschaftlicher Konsens, auch wenn sich nicht jeder daran hält. Eine elektrische Zahnbürste oder eine Handzahnbürste, dazu Zahnpasta, vielleicht etwas Zahnseide. Mehr ist dazu nicht erforderlich. Diese alltägliche Zahnpflege dauert jeweils nur zwei bis drei Minuten.

Die Entwicklungschritte der Zahnbürste von der Frühzeit bis Heute

Doch das Zähneputzen wäre ohne Zahnbürste undenkbar. Aber woher stammt eigentlich die Idee? Wann wurde die Zahnbürste elektrisch? Kurz: Wann und wie hat sich aus dem Bedürfnis der Mundpflege das Hochleistungsprodukt der elektrischen Zahnbürste nach neuestem Forschungsstand entwickelt?

Im Folgenden beleuchten wir also die Geschichte und Entwicklung der Zahnbürste wie wir sie heute in ihren unterschiedlichen Formen kennen.

Frühzeit: Kaustäbchen als die Anfänge der Zahnpflege

Über den genauen Zeitpunkt der ersten Zahnpflege lässt sich nur spekulieren. Sicher ist jedoch, dass Naturvölker heute noch Kaustäbe bzw. Kauhölzer nutzen. Diese stecken die Menschen in den Mund, kauen darauf herum und durch den Pflanzensaft sowie das Holz kommt es zu einem Reinigungseffekt. Zugleich entsteht beim Zerkauen ein ausgefranstes Ende, das einer Minibürste ähnelt. Mit dieser lassen sich dann die Zähne weiter reinigen.

Wissenschaftlich verbrieft sind Ausgrabungen von Kauhölzern aus dem alten Ägypten, ca. viertausend Jahre alt. Vermutlich ist diese Form der Zahnpflege jedoch deutlich älter.

15. – 18. Jahrhundert: Zahnbürsten aus Bambus, Knochen und Tierfell

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Von MiddayexpressEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Die erste an eine „echte“ Zahnbürste erinnernde Konstruktion stammt aus China. Im 15. Jahrhundert nutzten die Menschen dort Bambusstöcke oder Knochen mit Wildschweinborsten. Von dort kam diese Erfindung langsam nach Europa.

Mitte des 18. Jahrhunderts waren bereits viele angepasste Formen bekannt. Denn die Menschen ersetzten Bambus durch Knochen und Hölzer, die Borsten durch Schwämme und Tuch, später auch Pferdehaar. Parallel gab es verschiedene Entwicklungen, die dieser ähnelten.

In der breiten Bevölkerung konnten sich diese Frühformen nicht durchsetzen. Die Artikel waren zu fein und fast ausschließlich den Herrschenden vorbehalten. Das änderte sich über viele Jahrzehnte nur in Nuancen.

Eine der ersten „echten“ Zahnbürsten in Deutschland war eine Entwicklung von Christoph von Hellwig aus Bad Tennstedt. Er erfand um 1700 herum eine Reinigungshilfe, die optisch den heutigen Exemplaren ähnelt. Der Griff war aus Metall oder Holz, die Borsten aus Pferdehaar.

Das Pferdehaar war jedoch ein Problem. Es schmiegte sich so weich um die Zähne, dass Zahnfleischbluten ausblieb, jedoch ebenfalls der Reinigungseffekt zu wünschen übrig ließ.

1780: Die erste Zahnbürstenfabrik bleibt erfolglos

William Addis – Quelle: http://www.edubilla.com/inventor/william-addis/

Es war William Addis aus Großbritannien, der als erster Unternehmer den Menschen Zahnbürsten in Massen verkaufen wollte. Er baute eine kleine Produktionsstätte. Die Zahnbürste bestand aus Knochen und Fell.

Der hohe Preis des Artikels führte jedoch dazu, dass sich wiederum nur die Reichen die Zahnbürsten leisten konnten. Ein größerer kommerzieller Erfolg blieb aus.

1880: frühes Modell der elektrischen Zahnbürste

Während die Entwicklung der Handzahnbürste nur langsam in Schwung kam, entstand schon überraschend früh eine erste Form der elektrischen Zahnbürste. Bereits 1880 stellte Dr. Scott einen Patentantrag für ein Gerät, das den heutigen elektrischen Modellen in den Grundzügen ähnelte.

Allerdings war die Produktion kaum zu bezahlen, sodass es noch bis in die 1940er-Jahre dauerte, bis eine elektrische Zahnbürste ein ernsthaftes Produkt für den Handel wurde.

1938: Nylon macht Zahnbürsten zur Massenware

1938 verdrängte Nylon als Borsten die bisherigen Materialien bei den Handzahnbürsten. Der Rest der Putzhilfen bestand aus Holz, das nach und nach durch Kunststoff ersetzt wurde. Trotz kleiner Schwächen war dieser Doppelwechsel wegweisend. Nylon war sehr gut zu verarbeiten, aber anfangs zu hart.

Die Folge waren schlechte Putzergebnisse und Beschädigungen am Zahnfleisch. Das änderte sich um 1950 herum, als ein deutlich weicheres Nylon für die Borsten zur Verfügung stand. Die Zahnbürste entwickelte sich erst dadurch sehr schnell zur Massenware.

1954: Broxodent ist die erste automatische Bürste

Werbung für die erste elektrische Zahnbürste. – Quelle: http://www.broxodent.de/ueber-proxodent.html

Anders als nur elektrisch säuberte das 1954 vom Schweizer Dr.Philippe-Guy Woog entwickelte Gerät Broxodent die Zähne automatisch, indem es die Borsten hin- und herbewegte. Sein Modell gilt als Vorlage für alle modernen elektrischen Zahnbürsten.

1963: Oral B starte mit Mayadent

Die Broxodent-Idee griff die Marke Oral B auf und platzierte in den frühen 1960er-Jahren mit der Mayadent die erste automatische Zahnbürste am Massenmarkt. Der seitlich schwenkende Bürstenkopf war damals mit drei Borstenreihen besetzt.

Das Grundproblem der ersten elektrischen Zahnbürsten war der fehlende Vorteil gegenüber der Handzahnbürste. Weder propagierten Zahnärzte ein besseres Putzergebnis, noch war der Preis ansprechend. Die Modelle ahmten außerdem nur das Bewegen des Bürstenkopfes nach. So gab es keinen erkennbaren Nutzen. Lediglich motorisch eingeschränkte Personen profitierten von den neuen Produkten.

Problematisch war ebenfalls, dass ein Stromkabel das Zähneputzen noch bis weit in die 1960er-Jahre hinein störte. Erst nach und nach ersetzten erst Batterien und dann Akkus mit Ladestation das Kabel.

1987: rotierende Bürsten für mehr Sauberkeit

Erst 1987 kam die erste oszillierenden Versionen mit rotierendem Bürstenkopf in den Handel. Dieser löste den Schmutz effektiver und trug so zu einem deutlich besseren Putzergebnis bei. Anfangs war der Erfolg durchwachsen.

Modelle wie die Interplak von Bausch & Lomb oder die Braun D3 von Oral B standen sinnbildlich für das alte Leid beim Zähneputzen: Zahnfleischwunden. Nach und nach verbesserten die Hersteller die Modelle und blutendes Zahnfleisch blieb eine Ausnahme.

Erst jetzt, ein Vierteljahrhundert nach den ersten zaghaften Versuchen, begann der weltweite Siegeszug der elektrischen Zahnbürste. Erstmals reinigten die rotierenden Bürsten Plaque und andere Verunreinigungen so gut wie eine Handzahnbürste.

Die neue Generation dieser Geräte war „konkurrenzfähig“, zumal die Entwicklung der Handzahnbürste zu der Zeit wenig Neues zu bieten hatte.

1988: Die klügere Zahnbürste gibt nach

Das änderte sich kurz darauf schlagartig: Innovation bei den Handzahnbürsten. Die längst tot geglaubte Marke Dr. Best brachte eine neue Handzahnbürste in den Handel. Unter dem Motto „Die klügere Zahnbürste gibt nach“ lancierte das Unternehmen eine Marketingkampagne mit dem echten Dr. Best, die den kompletten Markt der Zahnbürsten umkrempelte.

Modelle von Dr. Best entwickeln sich zum Marktführer. Zunächst war es der Schwingkopf, der weniger Druck auf das Zahnfleisch ausübte. Später kamen ein Kugelgelenk, verschieden hohe Borsten und weitere Neuerungen.

1990er-Jahre: Schallzahnbürsten mit mehr Schwingungen

Eine der ersten Schallzahnbürsten von Philips. Quelle: http://www.support.philips.com/pageitems/master/pages/sonicare/en_US_sonicare-find-my-model.html

1991 revolutionierte Oral B mit der D5 die Form der elektrischen Variante. Denn dieses Modell zeigte erstmals den runden Bürstenkopf, mit dem heute noch die meisten elektrischen Zahnbürsten ausgestattet sind.

In den 1990er-Jahren eroberten diese neu Form und die piezoelektrischen Schallzahnbürste den Markt. Die Besonderheit: Ein integrierter Schallwandler bringt noch heute Schallwellen zwischen 250 und 300 Hertz hervor, die den Bürstenkopf antreiben und für deutlich mehr Schwingungen sorgen.

Das Ergebnis ist eine noch einmal verbesserte Reinigungswirkung. Insbesondere Zahnbelag lässt sich so leichter entfernen. Die erste Schallzahnbürste brachte Philips 1992 in den USA in den Handel. Schnell folgten weitere Modelle anderer Hersteller auf beiden Seiten des Atlantiks.

Da die einerseits schwingenden, andererseits oszillierenden Borsten Bewegungen vollführen, die mit einer Handzahnbürste kaum so möglich sind, empfehlen seit dieser Zeit auch viele Zahnärzte elektrische Zahnbürsten. Denn mit diesen Modellen fällt das Reinigen der Zähne deutlich leichter, seit die mehrteiligen Bewegungen des Kopfes die Zahnzwischenräume gut erreichen.

Mitte der 1990er-Jahre: Fuzzy Brush, die kaubare Zahnbürste

Eine kurios anmutende Entwicklung sind kaubare Zahnbürsten. Mitte der 1990er-Jahre entwickelte der Brite Jim Drew eine Erfindung eines niederländischen Zahnarztes weiter und brachte die Fuzzy Brush auf den Markt. Noch heute ist diese Variante als Alternative für Menschen unterwegs im Handel, ohne dass diese das „echte“ Zähneputzen ersetzt. Restaurants, Bars und Flughäfen sind einige der typischen Verkaufsstellen der Fuzzy Brush.

Die Fuzzy Brush ist eine Notfall-Zahnbürste zum Kauen. Nutzer zerkauen einen mit Borsten besetzten Kauzylinder, der Wirkstoffe analog der Zahnpasta enthält. Es entsteht ein reinigender Schaum, der durch die Borsten an den Zähnen verteilt wird.

1998: CrossAction auf der Handzahnbürste

Oral B 3000 mit Cross-Action Bürstenkopf.

Oral B kann nicht nur elektrisch. 1998 brachte das Unternehmen die Handzahnbürste CrossAction in den amerikanischen Handel. Das Modell verstand sich als Konkurrenz zu den Handzahnbürsten von Dr. Best und überraschte durch gegenläufige („gekreuzte“) Borsten. Die Borsten verloren sogar die Farbe, um einen erforderlichen Zahnbürstenwechsel anzuzeigen.

Der Markteinführung in Europa kam jedoch der Konkurrent Dr. Best mit einer ähnlichen Entwicklung 1999 zuvor.

1998/1999: die erste 3D-Zahnbürste mit Oszillationen und Pulsation

1998/1999 gab es eine relevante Weiterentwicklung. Neben oszillierenden Schwingköpfen setzten die Hersteller erstmals Pulsation ein. Die oszillierend-rotierende Bewegung wurde dabei durch mehrere zehntausend Vor- und Zurückbewegungen ergänzt.

Diese missverständlich als 3D-Technik bezeichnete Bewegungskombination ist noch heute bei Oral-B im Einsatz. Sie schont das Zahnfleisch zusätzlich und schützt es noch effektiver. Denn die Zusatzbewegungen lösten erst Plaque stärker und die anderen Bewegungen entfernten die Verunreinigungen anschließend leichter.

Weiterführend dazu: Übersicht aktueller Oral-B Zahnbürsten.

2002: Philips bringt die Sonicare-Schalltechnologie

Seit 2002 ist Philips mit seinen Schallzahnbürsten auf dem Markt vertreten. Philips hat dazu die Sonicare-Technologie entwickelt und patentieren lassen. Diese Technologie komm bis heute (2017) in allen Schallzahnbürsten von Philips zum Einsatz und liefert hervorragende Ergebnisse in unseren Tests.

Weiterführend dazu: Übersicht aktueller Philips Schallzahnbürsten mit Sonicare-Technologie.

2008: Ultraschallzahnbürsten ergänzen die Zahnprophylaxe

Es wird viel Unsinn über Ultraschallzahnbürsten verbreitet. Viele so bezeichnete Geräte sind keine. In Deutschland gib es seit etwa 2008 Exemplare von emmi-dent und von Megasonex. Anders als Schallzahnbürsten mit einem hohen Frequenzbereich schaffen Ultraschallzahnbürsten bis zu 96 Millionen Schwingungen in der Minute.

Der Mensch bemerkt diese nicht. Die elektrische Zahnbürste liegt sogar faktisch nur auf, ohne dass sie die Zähne berühren muss. Denn der Ultraschall schickt in Kombination mit besonderer Zahnpasta kleine Mikrobläschen bis in die tiefsten Zahnritzen. Dort platzen diese und lösen Plaque und Bakterien.

Diese echten Ultraschallzahnbürsten sind jedoch in erster Linie bei der Zahnprophylaxe beim Zahnarzt (professionelle Zahnreinigung) im Einsatz. Nur wenige Exemplare sind im freien Handel.

Achtung: Echte Ultraschallzahnbürsten sind an der enormen Schwingungszahl zu erkennen. Bei Exemplaren von „nur“ 1,8 Millionen Schwingungen handelt es sich streng genommen und Schallzahnbürsten.

2013: Blizzident, die maßgefertigte Zahnbürste

Waren Zahnbürsten bisher an den Anforderungen des Zähneputzens entwickelt, änderte sich das 2013. Erstmals entwickelten Wissenschaftler eine sogenannte „Zähnebürste“, die sich beim Putzen an den Besonderheiten des individuellen Gebisses orientierte: Blizzident.

Es handelt sich um eine maßgeschneiderte Zahnbürste, die aus einem 3D-Drucker stammt und die Besonderheiten des Gebisses so berücksichtigt, dass sie alle Zwischenräume gut erreichen und säubern kann. Nach Angaben der Entwickler sind Benutzerfehler ausgeschlossen und eine 100-prozentige Sauberkeit garantiert.

Das Produkt erfordert einen Zahnabdruck beim Zahnarzt und ist relativ teuer. Allerdings soll eine Blizzident-Zahnbürste etwa ein Jahr halten.

2013: Polimed – die Handzahnbürste mit rundem Borstenkopf

Wieder einmal kam eine Innovation von Dr. Best. Nach Zungenputzer, Vibration und Zahnzwischenraumborsten sind nun die von den elektrischen Zahnbürsten bekannten runden Borstenköpfe erstmals auf einer Handzahnbürste zu finden. Dr. Best Polimed ermöglicht ein deutlich gründlicheres Zähneputzen.

2014: Smartes Zähneputzen mit App

Braun Oral-B Pro 6000 mit SmartGuide

Marktführer Oral B hat mit der PRO 6000 und der PRO 7000 sowie den Folgemodellen 2014 einen wahren Coup gelandet. Denn erstmals wurde die elektrische Zahnbürste zum Teil des Smart Homes.

Die PRO-Modelle sind seit diesen Versionsnummern mit einem Bluetooth-Adapter ausgestattet, der sich einerseits mit dem Handy verbinden kann, andererseits mit dem SmartGuide. Dabei handelt es sich um ein externes Display, das u. a. die Putzzeit angibt oder den Druck auf das Zahnfleisch überwacht. Das Zähneputzen ist seitdem smart und lässt sich per App überwachen.

Lesen sie dazu: Unseren Oral-B Pro 6000 Test sowie unseren Oral-B Pro 7000 Test.

2017: Oral-B mit Positionserkennung

Die neusten Modelle aus dem Hause Oral-B, die Genius 8000 und Genius 9000, arbeiten jetzt mit einer Positionserkennung. Diese Arbeitet in Kombination mit dem eigenen Smartphone, der darin verbauten Kamera und der Oral-B App.

Durch die Kamera wird die Position der Zahnbürste im Mund erkannt. Dadurch weiß die App genau wo und wie lang an den entsprechenden Stellen geputzt wurde und kann so Tipps und Hinweise zum effektiveren, gründlicheren Putzen geben.

Lesen Sie dazu auch: Unseren Genuis 8000 Test und Genius 9000 Test.

Zahnbürstenentwicklung nicht abgeschlossen

Die Entwicklung seit Mitte der 1980er-Jahre verläuft teilweise sehr rasant. Bei den Handzahnbürsten sind immer neue Impulse wie Borstenstellung, runde Bürsten, integrierte Zahnseide oder Zungenputzelemente hinzugekommen. Bei den elektrischen Zahnbürsten laufen zwei Entwicklungen parallel.

Zum einen wird die Schallzahnbürste für Endkunden immer interessanter, zum anderen haben die Entwickler der elektrischen Zahnbürste die App-Steuerung und Verknüpfung mit dem Smartphone entdeckt. Bei allen Zahnbürstentypen ist dies eine sehr gute Ausgangsposition, dass die Entwicklung der Zahnbürste auch in den kommenden Jahrzehnten neue Impulse erfahren wird.

Weiterführend

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zahnb%C3%BCrste
http://padento.de/wissen/blog/die-geschichte-der-zahnbuerste – Rainer Ehrich
http://de.blizzident.com/geschichte-der-zahnbuumlrste.html
https://www.zmk-aktuell.de/fachgebiete/prophylaxe/story/50-jahre-elektrische-zahnbuersten-von-oral-b__984.html
http://www.zm-online.de/home/zahnmedizin/50-Jahre-elektrische-Zahnbuerste_277548.html