Aktuell findet man im Internet vermehrt Werbeanzeigen der Zahnbürste CleanT. Der Hersteller behauptet frech, dass die innovative Zahnbürste von einem Arzt aus Österreich entwickelt wurde.

Die Amabrush, auch bekannt unter dem Namen „10-Sekunden-Zahnbürste“, fand ein überaus unrühmliches Ende, denn das österreichische Startup-Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Als wäre das noch nicht tragisch genug, tauchen aktuell immer mehr Nachahmer auf, die das Design, die Bauweise und sogar die Werbeslogans der Amabrush kopieren.

Mit der gefakten Bannerwerbung wollen die unseriösen Betreiber potentielle Kunden in die Falle locken. In Deutschland und in Österreich wird die freche Kopie hauptsächlich unter dem Namen CleanT angeboten.

Freche Werbeanzeigen mit Bildern der Amabrush

In den Werbeanzeigen, die per Google Ads auf verschiedenen Webseiten eingeblendet werden, ist sogar ein Video zu sehen. Gemäß den Videoinhalten soll die CleanT 3 Jahre lang entwickelt worden sein und ihr Erfinder ist ein österreichischer Zahnarzt. Es werden tatsächlich Bilder von den Prototypen der Amabrush gezeigt. Höchstwahrscheinlich wurden diese von der offiziellen Kickstarter-Webseite der Amabrush kopiert.

Die CleanT ist keinesfalls ein offizieller Nachfolger oder gar ein Neustart der gescheiterten Amabrush. In anderen Ländern gibt es Werbeanzeigen mit dem gleichen Produkt, welches ebenfalls von einem Zahnarzt angepriesen wird.

Die CleanT sieht der Amabrush überaus ähnlich und dies trifft vor allem auf das Mundstück zu. Nur das Handstück besitzt eine etwas andere Form, höchstwahrscheinlich um die Produktionskosten zu senken. Auf der offiziellen Webseite der CleanT erwarten die Besucher gleich mehrere Fake-Reviews.

Sogar die Slogans wurden geklaut

Die CleanT verwendet die gleichen oder nahezu identische Slogans wie die Amabrush. Beispiele gefällig?

  • „Die erste, automatische Zahnbürste auf der Welt, die die Zähne in nur 10 Sekunden reinigt“
  • „Wusstest Du, dass Du 108 Tage Deines Lebens mit dem Zähneputzen verbringst?“
  • „Alle Zahnoberflächen werden 8 Mal länger gebürstet, die gesamte Putzdauer ist 12 Mal schneller“

Auf der Fake-Webseite gibt es kein Impressum. Eine Rücksendeadresse für Beanstandungen oder Retouren gibt es nur auf Anfrage (per E-Mail). Diese 2 Indikatoren sind ganz klare Warnschilder und man sollte definitiv die Finger von diesem Online-Shop lassen.

Die Webseite Electricteeth.co.uk konnte die CleanT testen und hat eine Warnung ausgesprochen: Die „Wunderzahnbürste“ reinigt die Zähne überhaupt nicht und kann sogar das Zahnfleisch beschädigen. Mittlerweile wurden 29 unterschiedliche Zahnbürsten gefunden, die 29 unterschiedliche Namen haben, die aber ein und dasselbe Produkt sind.
Während in Österreich und in Deutschland eine Werbekampagne für die CleanT läuft, gibt es im englischsprachigen Raum ein vergleichbares Produkt mit dem Namen „V-White“. Die Geräte liegen preislich je nach Produktname und Land zwischen 7 Euro und 100 Euro. Sogar auf der Webseite von Amazon gibt es solche Zahnbürsten.

Aus der Revolution wurde die Insolvenz

Die Wunderzahnbürste Amabrush des österreichischen Startup-Unternehmens aus Wien sollte die Zähne in gerade einmal 10 Sekunden reinigen und die klassische Zahnbürste ersetzen. Das junge Unternehmen sammelte 2017 auf den Online-Plattformen Indiegogo und Kickstarter über 4 Millionen Euro!

Ende 2018 und fast ein Jahr später als der Zeitplan es vorsah, wurden die ersten Zahnbürsten ausgeliefert. Die Tests fielen nicht gerade gut aus und je mehr Exemplare ausgeliefert wurden, desto schärfer wurde die Kritik. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Beschwerden und Klagen (u.a. irreführende Werbung) folgten, weil die Wunderzahnbürste die angepriesene Reinigungsleistung nicht erfüllte.

Wir hatten die Amabrush bereits vor einiger Zeit ausführlich getestet und waren überhaupt nicht begeistert von der vermeintlichen Wunderzahnbürste. Unserer Meinung nach war und ist die 10-Sekunden-Zahnbürste „Schrott“ und keinesfalls empfehlenswert.

Amabrush will sich rechtfertigen

Die Verantwortlichen der Wunderzahnbürste wollten sich natürlich rechtfertigen: Zuerst hieß es, dass es Startschwierigkeiten bei der Produktion gab. Danach wurde gesagt, dass die Nutzer die Amabrush einfach nicht richtig verwenden. Ein weiteres Argument: Die Wunderzahnbürste sollte die herkömmliche Zahnbürste niemals ersetzen und lediglich ein ergänzendes Zahnpflegeprodukt sein. Auch das ist schlichtweg gelogen, denn auf der offiziellen Webseite prangt noch immer der Slogan: „Du musst Dir nie wieder Deine Zähne putzen!“

Im Juni 2019 war es dann soweit und das österreichische Startup-Unternehmen meldete Insolvenz an. Aufgrund einer eingereichten Klage sei das Unternehmen dazu gezwungen gewesen, Anwälte und ein teures PR-Team anzuheuern. Diese hohen Ausgaben hätten das Unternehmen schließlich in die Insolvenz getrieben. Anstatt Mitleid löste diese Aussage großen Ärger aus!

Das Startup gab den Nutzern die Schuld, denn diese hatten die Klage eingereicht und die Insolvenz verursacht. Die Klage wäre aus Kundensicht überhaupt nicht nötig gewesen, wenn der Hersteller einfach eine Zahnbürste geliefert hätte, die genauso gut ist, wie es in der Werbung versprochen wurde.