Geschrieben von: Robert Mertens | Letztes Update: 

Kreidezähne: Zahnärzte warnen vor der neuen Volkskrankheit

Deutsche Zahnmediziner schlagen Alarm und warnen eindringlich vor einer Volkskrankheit namens „Kreidezähne“. Bereits 10 bis 15 Prozent aller in Deutschland lebenden Kinder leiden unter dieser Krankheit, einer Störung ihres Zahnschmelzes.

Mehr als jedes 3. Kind im Alter von 12 Jahren leidet unter Kreidezähnen. Die neue Volkskrankheit ist in dieser Altersgruppe sogar ein größeres Problem als das bekannte Karies. Dies teilte die „Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ am 24 Mai 2018 in Berlin der Öffentlichkeit mit.

Es besteht ein Zusammenhang mit den Weichmachern

Bei den Kreidezähnen handelt es sich um eine Mineralisationsstörung, die während der Zahnentwicklung auftritt und die sich unter anderem durch gelb-braune oder weiß-gelbliche Verfärbungen an den Zahnhöckern oder Kauflächen zeigt. In besonders schweren Fällen kann es passieren, dass der Zahnschmelz absplittert. Bei dieser Krankheitsstufe reagieren die Zähne äußerst sensibel auf Kälte, Hitze und auf das Zähneputzen.

Die MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) wurde 1987 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Laut den Experten spielen Weichmacher aus Kunststoffen, die wir automatisch über die Nahrung aufnehmen, bei der Entstehung der Kreidezähne eine zentrale Rolle. In Tierversuchen konnte ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Kreidezähne und der Chemikalie Bisphenol A (Publikation des Umweltbundesamts) nachgewiesen werden.

Die Prophylaxe hilft

Die Chemikalie Bisphenol A steht seit vielen Jahren in der Kritik und wirkt auf den Körper wie menschliche Hormone. Bisphenol A kann eingeatmet, über die Haut aufgenommen oder mit der Nahrung aufgenommen werden. Seit 2011 ist die Chemikalie in Babyfläschchen EU-weit verboten.

Weitere mögliche Ursachen für die Kreidezähne sind Probleme im Laufe einer Schwangerschaft, Antibiotikagaben, Infektionskrankheiten, Einflüsse durch Dioxine, Erkrankungen der oberen Atemwege und Windpocken. Leider ist die exakte Ursache bis heute nicht wissenschaftlich geklärt.

Bereits während der Zahnentwicklung kommt es zu gravierenden Veränderungen. In Kombination mit den bisher noch nicht geklärten konkreten Ursachen gibt es aktuell keine wirksame Prävention gegen die neue Volkskrankheit. Laut den Experten ist die Prophylaxe bei Menschen, die unter MIH-Zähnen leiden, besonders wichtig, denn die Betroffenen sind äußerst kariesanfällig. Zahnarztuntersuchungen und eine Behandlung mit Fluoridlack sind bei den Patienten in regelmäßigen Abständen nötig. Darüber hinaus kann der Zahnaufbau mit diversen Techniken dazu beitragen, dass die Kreidezähne ein Leben lang erhalten werden können.