Wann sollte man das Baby an Zähneputzen und allgemeine Zahnpflege gewöhnen? Ist Zahncreme unbedingt notwendig oder kann man darauf verzichten? Das Online-Magazin Woman.at hat die renommierte Kinderärztin Dr. Sabine Wegner zu diesem Thema befragt und wir haben die wichtigsten Fakten im folgenden Artikel zusammengefasst.

Die ersten Zähnchen sind da!

„Sobald die ersten Zähnchen beim Baby durchbrechen, sollte man in der Regel mit der Zahnpflege beginnen“, sagt Dr. Sabine Wenger. „Zu diesem Zeitpunkt ist außerdem auch der erste Besuch beim Kinderzahnarzt ratsam“.

Wann kommen die ersten Zähnchen?

Dr. Sabine Wenger: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da der Zeitpunkt des Zahndurchbruchs sehr unterschiedlich sein kann. Bei einigen Babys wachsen die ersten Zähnchen bereits nach dem dritten Monat, während andere Babys auch lange nach dem ersten Geburtstag ohne Zähnchen lächeln müssen. In der Regel wachsen die ersten Zähnchen jedoch zwischen dem fünften und zehnten Lebensmonat.

Welche Zähne wachsen zuerst?

Dr. Sabine Wenger: Bei den meisten Kleinkindern wachsen zuerst die unteren zentralen Schneidezähne.

Was sind die ersten Zeichen, dass die Zähne wachsen?

Dr. Sabine Wenger: Wenn das Baby alles in den Mund nimmt und darauf versucht zu kauen, ist das ein erstes Zeichen für Zahnen. Babys stecken ihre Händchen in den Mund, der Speichelfluss wird angeregt und Wangen können begünstigt durch den Zahnwachstums-Prozess etwas gerötet und heiß sein. Darüber hinaus ist bei vielen Babys das Zahnfleisch geschwollen und gegen äußere Reize empfindlich. Weitere Begleitsymptome sind leichtes Fieber, Unruhe und eine erhöhte Weinerlichkeit.

Welche Möglichkeiten gibt es, um den Zahnwachstum für das Kind angenehmer zu gestalten?

Dr. Sabine Wenger: Es sind spezielle Beißringe erhältlich, die dafür ausgelegt sind, den Zahnungsprozess beim Kind zu erleichtern. Diese kleinen Helfer wirken schmerzlindernd und helfen, den Durchbruch zu beschleunigen. Des Weiteren können Eltern sanfte Massagen am Zahnfleisch des Babys mit Fingergummitütchen anwenden, die dem Kleinen äußerst guttun.

Als Ergänzung können Eltern auch schmerzlindernde Zahnsalben auf das Zahnfleisch auftragen. Auch diverse homöopathische Mittel, wie beispielsweise Chamomilla oder Calcium Carbonicum können ruhigen Gewissens für die Linderung der Schmerzen eingesetzt werden. Alle Maßnahmen sollten jedoch zuvor mit dem Kinderarzt abgeklärt werden.

Was sollte man machen, wenn das erste Zähnchen da ist?

Dr. Sabine Wenger: Einer optimalen Pflege der Milchzähne kommt eine besonders wichtige Rolle zu, da diese möglichst lange erhalten bleiben sollen. Bei den Milchzähnen handelt es sich um einen Platzhalter für die nachkommenden Zähne. Diese haben einen beachtlichen Einfluss auf die Entwicklung des Kiefers und der Sprachfähigkeit des Kindes. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, beim Durchbruch des ersten Milchzahns sofort mit der Zahnpflege zu beginnen.

Wie oft sollten die Zähne geputzt werden?

Dr. Sabine Wenger: Bei Kindern ab dem ersten Lebensjahr sollten die Zähnchen mit einer Zahnbürste mit weichen Borsten und Kinderzahncreme zweimal täglich geputzt werden.

Was sollte man bei der Zahnpasta beachten?

Dr. Sabine Wenger: In der Mehrheit der Fälle können Kinder bereits ab dem ersten Lebensjahr vollständig ausspucken. Ab diesem Zeitpunkt können Sie eine Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm benutzen. Fluoride schützen die empfindlichen Milchzähnchen vor Säureangriffen.

Wie sollte man einem Baby die Zähne putzen?

Dr. Sabine Wenger: Bei dem ersten Milchzähnchen können Sie ein Wattestäbchen benutzen. Sobald sich weitere Zähnchen zeigen, sollten Sie auf eine Kinderzahnbürste mit weichen Borsten umsteigen. Elektrische Zahnbürsten können Sie ab dem dritten Lebensjahr benutzen.

Wann sollte man zum Kinderzahnarzt gehen?

Dr. Sabine Wenger: Der erste Besuch beim Kinderzahnarzt sollte innerhalb des ersten Jahres erfolgen. So können Sie sich über relevante Informationen erkundigen und ihr Kind schon in den Anfangsjahren an den Zahnarzt gewöhnen.

Können Muttermilch oder das Fläschchen in der Nacht die Entstehung von Karies begünstigen?

Dr. Sabine Wenger: Es ist wichtig, das sogenannte „Flaschenkaries“ zu vermeiden, welches primär durch überlanges Stillen oder andauerndes Nuckeln an der Flasche ausgelöst wird. Diese Kariesart beginnt in vielen Fällen an den oberen Schneidezähnen und breitet sich im Laufe der Zeit auf weitere Zähne aus und kann zu einer frühzeitigen Zerstörung der Milchzähnchen führen.

Gibt es Tricks, mit denen ich mein Kind beim Zähneputzen aufmuntern kann?

Dr. Sabine Wenger: Zähneputzen gestaltet sich am besten spielerisch. Sie können das Zähneputzen als ein lustiges und spannendes Ritual gestalten mit lustigen Liedern und spannenden Geschichten. Besonders hilfreich sind elektrische Zahnbürsten mit Melodien, die jedoch für Kinder erst ab dem dritten Lebensjahr geeignet sind. Je älter das Kind wird, umso wichtiger ist die Vorbildfunktion der Eltern. Wenn die Kinder sehen, dass ihre Eltern regelmäßig ihre Zähne putzen, werden es die Kleinen auch wollen.